Ärger um den WIX SEO Hero Wettbewerb

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Der Wettbewerb

Im vergangenen November rief die – nicht unbedingt für ihre hohe SEO-Kompatibilität bekannte – Plattform WIX den SEO Hero Wettbewerb aus. Hier sollten die Teilnehmer eine Website erstellen, die irgendwie mit dem Thema SEO Hero zu tun hat. Wer am Ende des Wettbewerbs in Google für den Suchbegriff “SEO Hero” ganz oben stand, sollte 50.000$ gewinnen.

Soweit die sehr interessante Theorie, die viele Webmaster und SEOs dazu brachte, mit ihren Projekten an dem Gewinnspiel teilzunehmen. Doch schon damals merkten wir an, dass die Black Hat Taktiken, wegen denen ein Teilnehmer ausgeschlossen werden kann, nicht klar definiert waren – und der Juror damit nach Gutdünken entscheiden könnte.

Disqualifikation des Siegers

Und genau das scheint nun passiert zu sein. Der aus Frankreich stammende Gewinner Walid Gabteni, der ein Tool namens SEO Hero entwickelt und beworben hatte und so mit deutlichem Abstand vorne lag, wurde im Nachhinein wegen unnatürlicher Links zu seiner Seite disqualifiziert.

Er schreibt darüber auf seiner eigenen Seite, denn er hält es für sein Recht, diese Entscheidung anzufechten. Es scheint, als sei die Disqualifikation auf zwei Dinge zurückzuführen: Links von anderen französischen SEOs und das Anschwärzen dieser durch einen der anderen Wettbewerbsteilnehmer.

Walid ist sich jedoch keiner Schuld bewusst und stellt zu seiner Verteidigung zwei Dinge klar: Die Links sind alle auf natürliche Weise zu Stande gekommen, da die französischen SEOs sich gegenseitig unterstützen wollten. Er stellt daher die Menschen hinter den entsprechenden Seiten einzeln vor und macht die Links auf eine gewisse Art und Weise menschlicher.

Zum anderen veröffentlicht er sein Disavow File. Denn obwohl die Links natürlich sind, habe er mögliche Probleme vorausgesehen und diese daher aus der Berechnung für Google herausgenommen. Ihm stehe daher, so sein Fazit, der Gewinn des Wettbewerbs ohne Frage zu.

Die beiden uns bekannten deutschen Teilnehmer, Nicolas Sacotte und Kai Spriestersbach konnten sich nicht auf den vorderen Plätzen einreihen. Als Hauptgrund sieht sieht Nicolas hier die Dauer des Wettbewerbs:

“Sobald da solche Summen im Spiel sind, gibt es immer irgendwelche Kellerkinder mit viiiiiel Zeit, die 4 Monate lang den ganzen Tag Zeit haben, um für den Contest zu optimieren! Die Contests in Deutschland bisher waren nie länger als 4-6 Wochen… OmClub-Contest sogar nur 2 oder 3 Wochen… da muss/kann man ganz anders an das Thema rangehen und hat andere Hebel! Außerdem wären Kai und ich sicher auch disqualifiziert worden, da wir uns gegenseitig verlinkt haben und bestimmt auch Support aus der deutschen Szene bekommen hätten.”

Wer bekommt Recht?

Nun ist die Frage, wie WIX und der bestellte Juror in dieser Frage entscheiden werden. Die Möglichkeiten lauten: 1. Walid ist der Gewinner und bekommt den Preis. 2. Der Preis geht an den Zweitplatzierten. 3. WIX behält den Preis ein und hätte damit für die zusätzliche Publicity aus der Kontroverse nicht einmal etwas zahlen müssen (außer vielleicht mit seiner Glaubwürdigkeit in der SEO Szene, aber wie viele SEOs benutzen schon von sich aus WIX?). Da wir nur Walids Meinung kennen, können wir noch nicht abschätzen, wie dieser Fall ausgehen wird. Er zeigt aber zwei Dinge ganz deutlich.

Zum einen sind in der Suchmaschinenoptimierung die Grenzen zwischen White und Black Hat manchmal sehr fließend. Was für den einen eine legitime Strategie ist, wird von dem anderen schon verteufelt. Und auch Googles Websmaster Richtlinien und offizielle Statements sind oft so schwammig, dass man raten muss, was noch ok ist. Ein gutes Beispiel hierfür ist der aktuelle Penalty für mobile Interstitials.

Zum anderen zeigt dieser Fall die Ambivalenz in der SEO-Szene. Auf der einen Seite herrschen eine vorbildliche Kameradschaft, aus der viele Freundschaften für das ganze Leben entstehen. Dies sieht man daran, dass die französischen SEOs einander geholfen haben, ohne davon einen eigenen Vorteil zu haben. Auf der anderen Seite sind alle SEOs auch Konkurrenten auf einem relativ kleinen Markt. Und wenn es dann noch um Geldpreise und Anerkennung geht, hört die Freundschaft schnell auf.

Dies ist jedoch in jeder anderen Szene, in der eine Gruppe von Anbietern um eine begrenzte Anzahl an Kunden, Aufträgen oder Möglichkeiten konkurriert, der Fall. Man mag sich und hat gemeinsame Interessen, aber man muss sich auch gegen die anderen durchsetzen. Insgesamt ist der SEO Hero Wettbewerb damit, egal wie er nun ausgeht, ein interessantes Spiegelbild unserer Szene – im Guten wie im Schlechten.

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Nach meinem Studium der Politikwissenschaften (Schwerpunkt Diplomatie) habe ich im Juni 2015 das SEO Portal bei der imwebsein GmbH mitgegründet. Seit Januar 2017 bin ich nun als Chefredakteur für den redaktionellen Teil zuständig. Daneben kümmere ich mich als ehrenamtlicher Pressewart um die Öffentlichkeitsarbeit des Badminton-Club Tempelhof.

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