Personen aus der Szene: Cecil von Croÿ im Interview

 

2016 gründete Cecil von Croÿ gemeinsam mit Karl Bagusat PrintPeter. Seitdem hat sich das Startup in der Digitalszene als PlusPeter einen Namen gemacht und bietet Studierenden nicht nur einen kostenlosen Druckservice an, sondern unter dem neuen Namen charly.education nun auch eine smarte Lernplattform. 2018 gründete Cecil außerdem die Personalmarketing-Agentur Aschenputtel, die Unternehmen dabei hilft, ihre Arbeitgebermarke zu stärken.

Cecil, Du bist CEO von Aschenputtel, der Full-Service Agentur für innovatives  Personalmarketing. Ich würde gerne wissen, wie es zur Idee kam, eine solche  Agentur zu gründen.

Wir haben durch den Kontakt zu Studierenden im Rahmen der Aktivitäten des Unternehmens charly.education – das Mutterunternehmen der Aschenputtel Agency – festgestellt, dass gerade im Bereich Inbound Recruiting viel Potential ungenutzt bleibt. Zudem haben viele Kunden von charly.education vermehrt den  Wunsch geäußert, beim Recruiting Unterstützung zu erhalten, insbesondere wenn es um den Zugang zu Studierenden und Young Professionals geht. So machten wir es zu unserer Mission, Unternehmen dazu zu befähigen, selbstständig auf aktuelle und zukünftige Anforderungen der Marktsituationen zu reagieren – und diese Veränderungen zu ihrem eigenen Vorteil zu nutzen. Dabei setzen wir auf die Inbound-Recruiting-Philosophie: Wir wenden bewährte Methoden aus dem Brand Marketing an und übersetzen diese in die Recruiting-Strategie. Durch den  Inbound-Recruiting-Ansatz können wir potentielle Bewerber auf ihrer Candidate Journey punktgenau abholen; auf den geeigneten Kanälen, mit der richtigen Message und passenden Angeboten.

 

Wie unterscheidet Ihr Euch von anderen Personalmarketing-Agenturen?

Unser spezieller Fokus liegt darauf, auch passive Kandidaten anzusprechen, indem wir nicht nur auf die klassischen Kanäle für die Jobsuche setzen, sondern sie auch in ihrem privaten Umfeld ansteuern. Ganze 70 Prozent aller Arbeitnehmer sind potentielle Kandidaten, die zwar mit ihrem derzeitigen Job zufrieden sind, aber einen Arbeitgeberwechsel in Betracht ziehen würden, wenn sie einen Mehrwert erkennen oder eine Herausforderung suchen. In der Regel sind Bewerbungen dieser Kandidaten qualitativ hochwertig, weil sie sich nur auf Stellen bewerben, die auch wirklich passen. Diesen Kandidaten-Pool schöpfen wir mithilfe  handfester Daten und gezielter Ansprache aus. Unser größter Vorteil als Agentur besteht außerdem darin, dass wir durch charly.education einen einzigartigen Zugang zu jüngeren Zielgruppen wie Millennials oder der Generation Z haben. Der Wertewandel und die Einstellungen in Hinsicht auf das Arbeitsleben dieser Generationen erfordern neue Konzepte und Maßnahmen. ​Gerade mittelständische Unternehmen verfügen oft nicht über genügend Ressourcen und Daten, um auf die aktuelle Marktsituation zeitgemäß reagieren zu können. Bei diesen Unternehmen können wir einen Wissenstransfer herstellen, Input geben, und so in kurzer Zeit Erfolge erzielen.

 

Wie sieht eine klassische Candidate Journey aus? Wie können die  Unternehmenswerte in den einzelnen Phasen der Candidate Journey optimal  eingebunden und übermittelt werden?

Die Candidate Journey besteht aus mehreren Phasen: Zu Beginn steht der anonyme User, dessen Aufmerksamkeit durch gezielte Maßnahmen über verschiedene Kanäle geweckt wird. Gelingt dies, wird er zum Besucher der unternehmenseigenen Kanäle, auf denen er sich weitere für ihn relevante Informationen holt. Gefällt ihm das Unternehmen und übermittelt er seine Daten, wird er zum Lead. Kommt es zu einer Bewerbung, wird er zum Kandidaten. Ist der Bewerber eingestellt, gilt es, ihn als Promoter, also als Aushängeschild des  Unternehmens, zu gewinnen. In jeder Phase gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, den Kandidaten abzuholen bzw. ihm Inhalte zu bieten. Bevor wir die Kontaktpunkte entlang der Candidate Journey gestalten, definieren wir zusammen mit unseren Kunden die Zielgruppe. Wichtig dabei ist es zu verstehen, wer der optimale Kandidat ist und welche  Beweggründe und Interessen er haben könnte. Anhand dieser Überlegungen kreieren wir dann den passenden Content, der nicht nur auf den Kandidaten abzielt, sondern auch die Unternehmenskultur und -werte darstellt.

 

Die Möglichkeiten im Personalmarketing sind heutzutage sehr vielfältig. Hast Du  ein Beispiel für eine besonders innovative Kampagne, welche Ihr für einen Kunden durchgeführt habt?

Mir fällt eine Kampagne ein, bei der das Targeting sehr gut funktioniert hat, weil es sehr spezifisch war. Das Ziel des Kunden war es, LKW-Fahrer zu rekrutieren. Die Persona-Analyse hat gezeigt, dass die gewünschten Kandidaten sich sonntags wegen des LKW-Fahrverbots oft an Raststätten aufhalten und viele BILD-Leser unter ihnen sind. Mit Geo-Targeting haben wir dann die Jobangebote genau an diesen Raststätten über die BILD Online-Kanäle geschaltet und konnten damit erfolgreich LKW-Fahrer rekrutieren.

 

Bei der Recherche bin ich darauf aufmerksam geworden, dass Aschenputtel nicht  Dein einziges Projekt ist. Kannst Du uns etwas über charly.education erzählen?

Das stimmt, charly.education – was damals noch PlusPeter hieß – habe ich 2016 mit meinem Freund und Mitgründer Karl Bagusat aufgebaut. Die Inspiration dazu ist uns in den USA gekommen, als wir beide dort studiert haben. ​In Amerika bemühen sich Unternehmen schon früh intensiv um Studierende, was hier in Deutschland nicht der Fall war. Wir haben uns dann überlegt, wie wir Studierende in Deutschland bzw. Europa am besten ansprechen können und sind auf Skripte gekommen. Der Großteil der Studierenden druckt Skripte zum Lernen aus. Das kann ziemlich teuer werden, deswegen wollten wir das Drucken plus Versand für Studierende kostenlos anbieten. Indem wir Anzeigen von Unternehmen in den
gedruckten Skripten gezielt platzieren, können wir diesen Service realisieren und  eine Win-win-Situation für Studierend​e und Unternehmen schaffen: Studierende bekommen ihre Skripte kostenlos zugeschickt und Unternehmen können extrem spezifische Zielgruppen ohne Streuverluste ansprechen. Das Modell haben wir mittlerweile durch unsere smarte Lernplattform charly.education erweitert, die Studenten hilft, effizienter zu lernen. Hier können Nutzer Kursunterlagen hochladen, bearbeiten, markieren, Karteikarten erstellen –  und natürlich weiterhin kostenlos drucken.

 

Hast Du abschließend einen Tipp für unsere Leser, welche Employer-Branding-Maßnahmen besonders wirkungsvoll sind?

Als erste, grundlegende Maßnahme ist auf jeden Fall die Ausarbeitung der Employer Value Proposition zu nennen. Eine gut ausgearbeitete EVP schärft die Identität des Arbeitgebers und stärkt damit die Arbeitgebermarke. Den neuen Kandidatengenerationen, also Millennials oder der Generation Z, ist zum Beispiel der Cultural Fit wichtiger als der Aufstieg auf der klassischen Karriereleiter. Wenn man diese Gruppen für sich gewinnen will, ist es wichtig, dass Aspekte wie Unternehmenskultur und Werte kommuniziert werden. Wichtig ist zu guter Letzt auch, dass Maßnahmen – wie im klassischen Marketing – messbar sind und man KPIs festlegt. Wie viele Bewerbungen kommen bei mir an? Wie viele Mitarbeiter habe ich im letzten Monat rekrutiert und wie viele haben gekündigt? Das alles sind gute Indikatoren dafür, wie es um Deine Arbeitgebermarke steht und darauf kann man aufbauen, bzw. Maßnahmen anpassen.

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

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