Personen aus der Szene: Christian Kunz

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In unserer Reihe Personen aus der Szene” stellen wir euch regelmäßig Persönlichkeiten vor, die in Eurer Übersicht nicht fehlen sollten. Diese Menschen bringen die Szene wirklich voran und überzeugen mit spannenden Ideen und interessanten Insights.

Heute geht es um: Christian Kunz

SEO-Portal BildHallo Christian und vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. Viele kennen dich sicher als Blogger von SEO Südwest, aber auch darüber hinaus bist du ja sehr aktiv. Kannst du dich den Leuten, die dich noch nicht kennen, bitte einmal vorstellen?
christian_kunz

Hallo Oliver, zunächst einmal freue ich mich sehr, dass ich an Eurer Interviewreihe teilnehmen darf. Ich schaue natürlich regelmäßig auf Eurem SEO-Portal vorbei und finde es toll, was Ihr dort alles aufbaut. So etwas findet man selten in der Szene – erst recht in Deutschland.

Mich verbindet eine lange Geschichte mit der Suche. Begonnen hat das, als ich während meines Studiums bei WEB.DE als Redakteur für das Web-Verzeichnis arbeitete. Dort machte ich erste Bekanntschaften mit dem Aufbau eines nach Kategorien sortierten Archivs. Das Verzeichnis bestand übrigens schon lange, bevor die erste Mail über WEB.DE FreeMail versendet wurde. Google gab es damals noch nicht.

In den folgenden Jahren habe ich verschiedene Positionen bekleidet – von der übergreifenden Projektleitung über das Produktmanagement bis hin zu meiner heutigen Stellung als Senior Project Manager Search.

Nebenbei betreibe ich die Website SEO Südwest. Wobei “nebenbei” fast schon untertrieben ist, denn ein großer Teil meiner Freizeit fließt in die Pflege der Seite und das Erstellen neuer Inhalte. Man kann sagen, Suchmaschinen und SEO sind eine Leidenschaft geworden. SEO Südwest gibt es seit inzwischen sechs Jahren, und mit weit mehr als 1.000 Beiträgen gehört die Seite schon zu den größeren der Szene.

Das Tolle ist, dass sich meine Interessen und mein Job so gut verbinden lassen. So profitieren meine Tätigkeiten voneinander.

SEO-Portal BildDas ist ja immer der Bestfall, wenn man beides miteinander verbinden kann. Wie bist du denn auf die Idee gekommen, SEO Südwest zu starten? Denn wie du selbst sagst, sind die Recherche und das Schreiben (neben all den technischen Dingen) mit großem Aufwand verbunden.

christian_kunzDas geschah recht spontan auf einer Reise nach Wien. Ich hatte mir “The Anatomy of a Large-Scale Hytertextual Web Search Engine” von Sergei Brin und Larry Page als Lektüre mitgenommen und wollte mich ein wenig tiefer mit der Technologie befassen, die sich hinter der Google-Suche und speziell dem PageRank verbirgt.

Während des Lesens hatte ich plötzlich die Idee: Warum eigentlich nicht einen Blog zum Thema Suchmaschinentechnologie aufsetzen? Ich wusste zwar, dass es dazu bereits viele Anbieter gab, aber das hielt mich nicht davon ab. Ich wollte es anders machen und auch irgendwie besser als die anderen – mit einer eher technischen Fokussierung, mit mehr Qualität, auch hinsichtlich des Stils und der Sprache. Die Inhalte sollten nicht wie ein Hobbyprojekt anmuten, sondern journalistischen Standards entsprechen.

Das mündete dann in die ersten Beiträge auf SEO Südwest im April 2006 – damals noch recht schmucklos, meist ohne Bilder, oft sehr knapp im Umfang der Texte.

Mit der Zeit habe ich jedoch Routine beim Schreiben und auch bei der Recherche gewinnen können. Natürlich sind die US-Blogs wie Search Engine Land, Search Engine Roundtable oder auch The SEM Post von Jennifer Slegg, für die ich auch schon mehrere Beiträge geschrieben habe, immer erste Wahl bei der Suche nach neuen Themen. Nicht zu vergessen die Unternehmensblogs von Google, Bing und Co.

Mit der Routine sinkt dann auch der Aufwand, den ich pro Artikel erbringen muss. Es ergeben sich Synergien, man kann auf eigene Inhalte verweisen, und auch die passenden Bilder sind dann verfügbar. Bilder sind übrigens extrem wichtig für einen guten Blog – irgendwelche Stockfotos von der Stange sollte man vermeiden. Wenn ein Bild nicht zum Inhalt passt, sollte man es besser weglassen.

SEO-Portal BildGibt es denn Tage, an denen du dich zwingen musst, zusätzlich zu deiner “normalen” Arbeit auch noch zu bloggen? Denn nicht immer ist die Nachrichtenlage ja so, dass dich alle Themen unmittelbar interessieren werden, oder? Oder ist das mittlerweile ein Hobby, das du nicht missen möchtest?

christian_kunzEs gibt tatsächlich Tage, an denen fällt es schwerer zu bloggen, und es gibt Tage, an denen sprudelt es nur so. An solchen Tagen könnte ich locker fünf oder sechs Artikel schreiben.

Natürlich interessieren mich manche Themen mehr als andere. Mein Schwerpunkt liegt eher auf technischen Aspekten und wie man eine Website fit machen kann, um in den Augen Googles optimal aufgestellt zu sein.

Weitere Steckenpferde sind die Accelerated Mobile Pages (AMP), wobei SEO Südwest bereits AMP anbietet, und die Indexierung von Apps. Die wird meines Erachtens in nächster Zeit noch ein Riesenthema werden, weil sich die Nutzung des Internets auf dem Smartphone nun mal vor allem in Apps abspielt

Ich versuche, mir meine Zeit immer so einzuteilen, dass ich auch die Gelegenheit zum Schreiben habe. Dazu gehört, sehr früh morgens am Arbeitsplatz zu sein. Wenn dann die Reste des Vortags aufgearbeitet sind, kann ich dann sehen, was sich getan hat, und den ersten Artikel des Tages schreiben.

Das Bloggen gehört mittlerweile zu meinem Tagesablauf dazu. Wenn es einmal vorkommt, dass ich für längere Zeit nichts schreiben oder mich auf dem Laufenden halten konnte, habe ich das Gefühl, etwas verpasst zu haben – was ja auch in gewisser Weise stimmt, denn wenige Branchen entwickeln sich so dynamisch wie die Suchmaschinen und das Online-Marketing.

Allerdings, und das merke ich auch immer öfter, sind Auszeiten wichtig und notwendig. Das Leben bietet nun mal viel bedeutendere Dinge als SEO. Nur dann, wenn diese den ihnen zustehenden Platz im Leben haben, macht die Arbeit auch Spaß.

SEO-Portal BildMerkst du denn, dass sich das Bloggen auch positiv auf deinen Berufsalltag auswirkt? Also dass du manchmal anderen Voraus bist, weil du dank deiner Artikel immer am Puls der Zeit bist?

christian_kunzDas kann ich bestätigen. Ich befinde mich in der komfortablen Situation, dass alle meine Tätigkeiten voneinander profitieren. So etwas ist natürlich ein absoluter Glücksfall.

Ich versuche mich in meinem Hauptjob auch einzubringen, wenn es um SEO geht – auch wenn das streng genommen nicht mein Aufgabengebiet ist, sondern eher die “andere Seite der Macht” – nämlich der Aufbau und das Betreiben einer Suche für unsere Portale.

Wir haben hier im Unternehmen zahlreiche Spezialisten auf dem Gebiet der SEO, und es gibt einen regelmäßigen Austausch, damit alle auf einem ähnlichen Wissensstand sind.

Dazu kommt, dass mich das Bloggen einfach motiviert. Es macht Spaß, Expertise für ein Thema aufzubauen und anderen bei der Optimierung ihrer Seiten helfen zu können.

Neben dem Bloggen veröffentliche ich auch hin und wieder Beiträge in Printmedien wie zum Beispiel in der Website Boosting oder der Internet World Business. Auch für ein Fachbuch zum Thema Webmonitoring habe ich bereits ein Kapitel geschrieben. Darin geht es um SEO-Kennzahlen.

SEO-Portal BildDas zeigt ja alles, dass du einer der aktivsten SEO-Blogger in Deutschland bist. Aber wie sieht eigentlich dein Arbeitsalltag genau aus? Kannst du uns dazu noch etwas mehr erzählen?

christian_kunzTagsüber von Montags bis Freitags arbeite ich als “normaler” Angestellter in meiner Funktion als Senior Projektmanager für die Portalsuchen von WEB.DE, GMX, 1und1 sowie weiteren Marken.

In den Randzeiten, also vor und nach der Arbeit sowie gelegentlich auch in der Pause, recherchiere und blogge ich. Manchmal nutze ich auch Zeit am Wochenende und sogar etwas Urlaubszeit. Wobei ich das Bloggen nicht als Arbeit ansehe, sondern als Hobby und Anregung. Es kann zum Beispiel sehr inspirierend sein, irgendwo am Urlaubsort bei einer guten Tasse Kaffee den Gedanken freien Lauf zu lassen und einen schönen Beitrag zu erstellen. Das fließt dann zurück in andere Bereiche, und die Arbeit macht noch mehr Spaß.

Wenn es die Zeit und das Tagesgeschäft erlauben, bin ich auch auf der einen oder anderen Konferenz zu sehen. Der Schwerpunkt liegt dabei jedoch mehr auf reinen Suche- und Information-Retrieval-Themen. Hier ist vor allem die ECIR interessant – die European Conference on Information Retrieval. Meine letzte SEO-Konferenz war die SEOkomm im Jahr 2013.

SEO-Portal BildBist du denn auf solchen Konferenzen auch als Speaker unterwegs? Oder dienen deine Besuche eher dem Ansammeln von Wissen und dem Networking? Und woran liegt es, dass du nicht auf SEO-Konferenzen anzutreffen bist – dank SEO-Südwest wärst du dort doch sicher gefragt?

christian_kunzIch bin tatsächlich auch schon einige Male als Speaker auf Konferenzen gewesen – unvergessen ist die SEOcruise 2013, die Max Euler von ayudo organisiert hatte. Auf einem Schiff von Kiel nach Oslo und zurück, zusammen mit “SEO-Promis” wir Karl Kratz, das hat Spaß gemacht. Auch inhouse habe ich schon den einen oder anderen Vortrag gehalten.

Im Vordergrund standen bei mir jedoch meist das Vernetzen und das Sammeln von Informationen.

Selbstverständlich freue ich mich immer, wenn ich als Speaker angefragt werde, und wenn meine Zeitplanung es erlaubt, komme ich solchen Anfragen auch gerne nach.

SEO-Portal BildNa dann sind wir mal gespannt, ob wir dich bald mal wieder auf einer Konferenz sprechen sehen können.  Aber mal ein ganz anderes Thema: Was sind denn – deinem Gefühl nach – die drei größten SEO-Trends, denen man sich auf keinen Fall verschließen sollte. Und warum?

christian_kunzTrend eins: mobile SEO. Das ist allerdings nur ein Überbegriff für zahlreiche Optimierungskategorien. Fangen wir mit der technischen Seite an: Noch immer sind viele Websites wahnsinnig sperrig und langsam, also völlig ungeeignet für die Darstellung auf Mobilgeräten in schwachen Netzen. Google wird zukünftig immer mehr Wert auf kurze Ladezeiten und die optimale Darstellung auch auf kleinen Displays legen – das gilt übrigens auch für Werbung auf Websites. Die AMP-Initiative zeigt deutlich, wohin die Reise geht.

Zur technischen Seite der mobile SEO gehört außerdem das Anbieten von Inhalten als App. Wie zuvor bereits erwähnt, unterscheidet sich die Nutzung des Internets auf Smartphones deutlich von derjenigen auf Desktops. Ein Großteil der Aktionen wird mit einer kleinen Anzahl von Apps ausgeführt. Damit die in Apps enthaltenen Inhalte auch für Suchmaschinen wie Google erschlossen werden können, müssen entsprechende technische Vorkehrungen getroffen werden. Dazu kommt die vernetzende Wirkung digitaler Assistenten wie Siri, Cortana oder Google Now. Diese beziehen ihre Inhalte teilweise aus Apps, aus lokalen Daten auf dem Smartphone des Nutzers und zum Teil auch aus Suchmaschinen.

Das führt zum dritten wichtigen Aspekt von mobile SEO: der sprachgeführten Suche bzw. der Voice Search. Suchabfragen per Sprache unterscheiden sich von denen, die per Texteingabe erfolgen. Sie sind länger und komplexer und werden oft in Form vollständiger Sätze gestellt. Dazu kommt die Ortsbezogenheit: Man sucht gerne einmal unterwegs per Sprache nach einem Restaurant oder einem Geschäft in der Nähe, oder man vergleicht Preise.

Als zweiten wichtigen Trend in der SEO sehe ich das Voranschreiten der Künstlichen Intelligenz (KI), insbesondere auf dem Gebiet des Deep Learnings. Die Suchmaschinen sind immer besser in der Lage, unsere Intention zu verstehen, die sich hinter einer Suchanfrage verbirgt – auch dann, wenn wir diese Intention nicht explizit angeben. Verschiedene Kontextfaktoren wie die Such-Historie des Nutzers, die Uhrzeit, die genutzte Sprache und vieles mehr werden dazu verwendet, bei semantisch ambivalenten Suchbegriffen die tatsächliche Absicht zu deuten. Google hat hier unter dem Namen RankBrain in jüngster Zeit einen großen Schritt nach vorne getan – aber das ist nur, was nach außen dringt. Hinter den Kulissen tut sich viel mehr.

Als dritten großen Trend sehe ich das Voranschreiten der so genannten Universal Search. Darunter versteht man das Vermischen unterschiedlicher Ergebnistypen wie Bilder, Webtreffer und Videos auf einer Suchergebnisseite. Mit wachsender Bandbreite wird es beispielsweise immer interessanter, auch unterwegs Videos zu streamen. Dementsprechend wird deren Bedeutung auch in der Suche steigen.

Dazu kommen als weitere Elemente die von Google angezeigten Rich Snippets. Diese enthalten mehr Informationen als normale Suchergebnisse mit der Folge, dass man die Suchergebnisseite nicht mehr verlassen muss.

Das wird meiner Erwartung nach zu einer weiteren Diversifizierung und Individualisierung der Suchergebnisseiten führen, was eine Vergleichbarkeit immer schwieriger machen wird.

SEO-Portal BildDie Vergleichbarkeit wird da sicher schwierig, aber dafür wachsen die Möglichkeiten. Christian, ich danke dir nochmal herzlich, dass du dir die Zeit für das Interview genommen hast. Und natürlich hast du das letzte Wort. Gibt es noch etwas, was du loswerden möchtest?

christian_kunzIch finde es sehr ermutigend, dass es derzeit wieder mehr Bewegung auf dem deutschen SEO-Markt gibt. Es sollte mehr Blogs wie Euren geben, die regelmäßig berichten und das mit Herzblut tun.

Abschließend nochmals danke für die Gelegenheit, mich hier äußern zu dürfen. Es hat viel Spaß gemacht.

Vielleicht treffen wir uns demnächst einmal auf der einen oder anderen Konferenz. Würde mich freuen.

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Nach meinem Studium der Politikwissenschaften (Schwerpunkt Diplomatie) habe ich mich im April 2015 der imwebsein GmbH angeschlossen. Im Bereich Online-Marketing war ich zuvor für einige politische und sportliche Organisationen tätig - und unterstütze einige von ihnen immer noch im Ehrenamt. Ich freue mich auf einen regen Austausch, vor allem auf unserem neuen SEO-Portal!

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