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In unserer Reihe “Personen aus der Szene” stellen wir Euch regelmäßig spannende Persönlichkeiten vor, die in Eurer Übersicht auf keinen Fall fehlen dürfen.

Heute geht es um: Jan Kutschera

SEO-Portal BildHallo Jan und vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview genommen hast. Du bist in den letzten Jahren als Geschäftsführer von PR – Popularity Reference (und später The Reach Group) viel herumgekommen. Erzähle doch mal bitte den Lesern, die dich noch nicht kennen, ein bisschen über dich.

jan kutscheraIch bin ein Wandler zwischen den Welten. Ich mag Content und ich mag Technik. So habe ich Publizistik studiert, aber auch eine Ausbildung zum Toningenieur gemacht. Ich habe als Entwickler gearbeitet, aber auch im Bereich Marketing und PR. Für mich sind beide Seiten im Marketing heutzutage wichtiger denn je und ich möchte keine missen.

Vor Popularity Reference hatte ich ja schon meine erste SEO Agentur mit TRG gegründet und damals den Einstig in die Selbstständigkeit und das Agenturgeschäft gewagt. Was zuerst wie ein Sprung ins kalte Wasser aus der Festanstellung bei Bild.de aussah, hat sich dann doch schnell als erfolgreiche und lehrreiche Jahre herausgestellt.

Auf der einen Seite haben alle 3 Agenturen schon im ersten Jahr jeweils 7 stellige Honorarumsätze gemacht, auf der anderen Seite habe ich das Leben als Geschäftsführer und vor allem Gesellschafter kennengelernt. Vom verkaufen und kaufen von Anteilen, über das Mergen mehrerer Agenturen bis hin zum bloßen Gesellschafterdasein, wie ich es jetzt gerade pflege, ist da viel passiert. Eines aber fand ich besonders wichtig: Man muss Fehler machen – aber bitte nur einmal.

SEO-Portal BildDie Aussage, dass man auch Fehler machen muss, wird oft von Gründern getätigt. Was war denn der Fehler, der dich am meisten weitergebracht hat, bzw. der am lehrreichsten für dich war – und warum?

jan kutscheraDer größte Fehler war wohl, mir selber zu wenig zuzutrauen. Ich war immer auf der Suche nach Partnern, von denen ich lernen kann. Von Partnern lernt man aber nicht, da geht es primär um Geld. Um zu lernen, muss man aus dem Unternehmen raus.

Von daher hätte ich wohl vieles vielleicht sogar besser alleine geschafft. Wahrscheinlich ist das aber auch der Fehler, den ich nicht nur einmal begehe sondern mehrfach begehen werde. Dazu glaube ich einfach zu sehr an das Gute im Menschen und bin jedes Mal wieder hoffnungsvoll, mit jemandem zusammen Großes erreichen zu können.

SEO-Portal BildIst das auch der Grund dafür, dass du es jetzt ganz alleine versuchen willst? Weil du bist bei TRG doch weiterhin beratend tätig, oder? Wie wird die Beratertätigkeit denn aussehen und hast du dir damit das Beste aus beiden Welten zusammengestellt?

jan kutscheraJa, obwohl ich wie gesagt Wiederholungstäter bin. Aktuell bin ich thematisch noch für vieles aufgeschlossen und führe im Moment viele Gespräche. Wenn jemand eine gute Idee hat, was er in Zukunft gerne mit mir zusammen aushecken möchte: Ich habe noch ein paar Kaffeetermine frei. 😀

Mein Horizont sieht aktuell so aus, dass ich wohl im April wirklich anfangen möchte, mit etwas Neuem rauszugehen. Das wird dann auch das, worauf ich mich konzentrieren werde. Meine Beratertätigkeit bezieht sich hauptsächlich auf die Gesellschafterebene. Aber bezüglich best of both worlds (Van Halen) stimmt es schon:

I need more than just words can say

I need everything this life can give me

Just tune into what this place has got to offer

Cause we may never be here again

SEO-Portal BildEine neue Sache ist ja dein Content Bootcamp. Und auch da gefallen mir die vielen Songzitate 🙂 Können wir vielleicht mit Hard Rock Content Marketing rechnen? Oder was sind deine Ideen, da dich der Ansturm an Interessenten ja scheinbar sehr überrascht hat?

jan kutscheraJa, ich wurde wirklich überrascht. Ich hatte gehofft, dass es vielleicht so 20-30 werden. Aber mittlerweile sind schon über 200 dabei. Und das sind alles nicht irgendwelche Leute, sondern Leute, deren Arbeit ich selber sehr schätze, da sie alle schon lange in ihrem Bereich unterwegs sind. Problem ist, ich bin noch ganz am Anfang und die genaue Richtung oder auch das Ziel stehen noch nicht wirklich fest.

Wahrscheinlich gibt es auch kein Ziel, sondern es wird ums Machen gehen. Und ja, es wird wohl viel Musik dabei geben. Früher war ich ja schon der SEO Punk und irgendwie bekommt man das bei mir eben auch nicht raus, da ist schon was Wahres dran. Es bleibt also irgendwo beim „Rockstar“ 😉

SEO-Portal BildSehr schön, Musik ist immer gut 🙂 Spürst du denn durch die ganzen Anmeldungen mittlerweile einen gewissen (vielleicht auch positiven) Druck? Und wenn es ums Machen gibt, planst du auch einmal ein Treffen oder einen Workshop – oder wird das alles online ablaufen?

jan kutscheraDas Ganze wird ja keine Anleitung: Wie mache ich Content Marketing. Es geht eher darum, mich beim Experimentieren mit Content Formaten zu begleiten. Dabei sehe ich durchaus Veranstaltungen auch als Content Format. Soviel sei schon verraten, es wird auch da was geben. Aber alles, was in dem Bootcamp passiert, ist kostenlos und soll Spaß machen. Natürlich lebt es auch vom Feedback. Es ist schon spannend, wie viele Leute mir auch jedes Mal antworten und in welcher Länge teilweise. Das zeigt mir aber einmal mehr, wie wichtig das Format E-Mail heute immer noch ist.

Bezüglich des Drucks: Ja. Das Ganze war ja eine Nacht und Nebel Aktion. Ich habe die Seite und Mailingliste abends aufgesetzt, den Artikel dazu geschrieben und bin dann komplett ohne Konzept am nächsten Tag damit raus. Das Ganze erwirtschaftet mir ja leider nicht meinen Lebensunterhalt, daher bin ich gerade parallel dazu eben auch noch damit beschäftigt, zu klären, womit ich demnächst mein Geld verdienen möchte – was als Familienvater einfach doch eine höhere Priorität hat. Also trifft mich der Druck sozusagen jetzt von zwei Seiten 😀 (Könnte jetzt Queen mit “Under Pressure” zitieren, aber warten wir erstmal die weiteren Fragen ab.)

SEO-Portal BildNa dann lohnt es sich ja wirklich, auf die nächsten Schritte gespannt zu sein. Wir werden das Ganze natürlich auch weiter begleiten! Mal ein ganz anderes Thema: Da du ja bei Bild.de gearbeitet hast, würde mich deine Meinung zu Folgendem interessieren. Um auch online Geld zu verdienen, denken sich Journalisten bzw. Verlage ja immer neue Konzepte aus. Dein ehemaliger Arbeitgeber ist da ein Vorreiter – zum einen mit Bild+, zum anderen damit, dass alle Inhalte geblockt werden, wenn der Nutzer einen Adblocker eingeschaltet hat. Was hältst du von diesen Ansätzen und glaubst du, dass sich auf diesem Wege journalistische Inhalte auch auf lange Sicht monetarisieren lassen?

jan kutscheraJa, ich habe nicht nur bei Bild.de gearbeitet sondern auch Publizistik studiert 😉 Ich glaube, dass Springer aktuell durchaus sehr clever in der Digitalisierung vorgeht. Allerdings haben alle Verlage ein Problem. Früher haben sie die komplette Kette vom Redakteur bis zum Grosso kontrolliert. Ihnen gehörten die Druckereien, heute gehören Ihnen nicht mal die Server.

Journalistische Inhalte ließen sich nie monetarisieren. Sie waren ein Mittel für ein Produkt, welches monetarisiert wurde. Aber das ist auch der alte Streit zwischen Redaktion und Verlag. Wer ist wirklich wichtig dafür, dass Geld reinkommt? Das Problem sehe ich zum einen wie gesagt darin, dass man die Zugänge zu den Inhalten nicht mehr kontrolliert (aber selbst T-Online oder AOL haben es nicht geschafft, als Zugangsanbieter Inhalte zu monetariesieren), zum anderen ist es den Verlagen abhanden gekommen, bei der Jagd nach Klicks den Leser mitzunehmen. Ein schönes Beispiel dafür sind die Musikzeitschriften. Früher waren das Communities. Eine Zeitschrift wie die Zillo hatte ein eigenes Festival, weil die Leser ein Gefühl miteinander geteilt haben. Man kannte die Redakteure und wusste: Der hat meinen Geschmack, wenn der über etwas schreibt, vertraue ich ihm, dass es gut ist.

Heutzutage gibt es Unternehmen wie Vice Media oder ganz besonders Pitchfork Media, die sich erstmal unabhängig von den alteingesessenen Verlagen etablierten, eben weil sie ehrlicher zu Ihren Lesern waren und auf die geschissen haben, die sie nicht mochten. Vice suchte die Erweiterung dann ja auch nicht im Print, sondern im Communitybuilding. Dazu gehören zwar bei Vice auch Printausgaben, aber die Kooperationen mit CNN oder Intel waren eben keine Print Kooperationen. Wenn man jetzt bedenkt, dass diese schon Jahre vor den alteingesessenen Verlagen angefangen haben, sich mit “Content” auseinanderzusetzen…

Bei den meisten Verlagen ist es halt nach wie vor das geschriebene Wort, das am wichtigsten ist. Und das hat schon immer gekostet und kein Geld verdient. Du siehst, ich bin bei dem Thema leider sehr leidenschaftlich. Ich möchte, dass jeder Mensch den großartigen Content bekommt, den er verdient und das diejenigen, die ihn erstellen davon auch leben können. Ich glaube aber auch, dass die Zeit der Verlage, wie wir sie kannten, abgelaufen ist. Hier wird derjenige verlieren, der am längsten an seiner alten Distributionskette festhält.

SEO-Portal BildDas scheinen auch andere so zu sehen. In Großbritannien hat sich z.B. der Independent gerade entschieden, ab März ganz auf eine Printausgabe zu verzichten und seine Nachrichten nur noch online anzubieten. Als Grund wird angegeben, dass sich das Printgeschäft einfach nicht mehr rentieren würde. Aber wie du ganz richtig sagst, braucht es neben einer solch drastischen Entscheidung noch andere kreative Wege, um Inhalte gezielt zu vermarkten. Was sind für dich – im Verlagswesen, aber auch darüber hinaus – DIE kommenden Trends für das Vermarkten von Content?

jan kutscheraDas Schlimme an den Trends ist: Sie werden nicht funktionieren. Gerade Verlage werden das Problem haben, dass niemand bezahlen möchte für Nachrichten, die per Feed zusammen gestellt sind und die ich auf jeder Seite lesen kann. Man wird weiter versuchen, über TKP und (Re-)targeting Geld aus der Quantität der Nutzer zu saugen. Ich glaube, dass man online auch mit Content Geld verdienen kann.

Aber nicht über den Content direkt. Verkaufen kann man das Produkt und es wird wieder wichtiger werden, dass ich mich mit dem Produkt identifizieren kann. Das kann verschiedene Gründe haben. Weil ich tolle Inhalte habe, die ich mit anderen teilen kann, um vor diesen toll dazustehen. Weil es eine Exklusivität des Zugangs gibt. Und das, was glaube ich am Wichtigsten ist: Weil es ein Zugehörigkeitsgefühl gibt. Ich glaube, erst wenn sich Publisher von den Vermarktern trennen, sind wir den Schritt weiter, den man braucht. Solange es die Abhängigkeit der Publisher von den Vermarktern gibt, wird sich nichts bewegen. Ich würde also sagen: Der Vermarkter ist der Totengräber des Publishers.

Und da ist es egal, ob man einen eigenen Vermarkter hat oder externe beauftragt. Das Geld verdienen gehört meiner Meinung nach in die Hand des Unternehmens und nicht in ausgegliederte Einheiten. Ob dann letzten Endes Transaktionsmodelle, Pay Zugänge oder vielleicht sogar etwas anderes dahinter steht, ist glaube ich gar nicht relevant. Wer sagt denn, dass der Content das Produkt sein muss? Warum kann es nicht eine Festivalreihe sein? Die Voraussetzung dabei ist natürlich, dass sich die Publisher wieder ihre eigenen Nischen suchen.

Früher sind wir mit 3 politischen Wochenmagazinen ausgekommen. Dann kam der Fokus. Online verhält sich das mit dem Fokus lustigerweise ähnlich. Die machen irgendwie alles kaputt. Was ich großartig finde als Beispiel Content, der mich anspricht, ist Jim Dunlop. Sieh Dir mal die Dokumentation “Cry Baby: The Pedal That Rocks The World” an. Verdammt, die machen Wah-Wahs und geile Filme. Oder diese geilen Sachen, die sie mit Billy Gould und Jon Hudson von Faith No More auf ihrem Kanal DunlopTV zum Release des letzten Faith No More Albums gemacht haben. Wir müssen weg davon, dass Content Verlagen gehört. Content gehört Redakteuren und Redakteure können im Idealfall mit dem, was sie machen, etwas erreichen. Das ist genauso wie Rockmusik. Und wenn es dabei hilft: Macht ein Printmagazin. Auch die funktionieren. Print ist nicht das Problem. Das Problem sind Verlage und Vermarkter, die sich gegenseitig im Weg stehen und sich nicht trauen, sich zu bewegen.

SEO-Portal BildNa das ist doch mal eine Aussage. Vielen Dank Jan, dass du dir für so ausführliche Aussagen Zeit genommen hast. Jetzt freue ich mich direkt noch einmal mehr auf das Bootcamp – was auch immer daraus werden wird. Dir gebühren natürlich die letzten Worte, hast du noch ein Abschlussstatement für unsere Leser?

jan kutscheraDass sie jetzt noch mitmachen sollen beim Bootcamp unter www.jankutschera.de. Bis Mitte März kann man sich noch anmelden, dann bleibt es ein wirklich geschlossener Kreis. 😉 Und natürlich: Punk’s not dead, SEO’s not Dead!

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Nach meinem Studium der Politikwissenschaften (Schwerpunkt Diplomatie) habe ich mich im April 2015 der imwebsein GmbH angeschlossen. Im Bereich Online-Marketing war ich zuvor für einige politische und sportliche Organisationen tätig - und unterstütze einige von ihnen immer noch im Ehrenamt. Ich freue mich auf einen regen Austausch, vor allem auf unserem neuen SEO-Portal!

1 KOMMENTAR

  1. Punk und hat bei bild.de gearbeitet? In der Zeit aus der ich komme ging das gar nicht.
    Erinnert mich an einen sehr, sehr übergewichtigen Zeitgenossen, der mir eine Diät erklären wollte – hab´ich dann auch nicht geglaubt……

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