Personen aus der Szene: Kathrin Schubert im Interview

Kathrin Schubert – die Wortjongleurin ist freiberufliche Autorin und Lektorin in München. Dank fundierter SEO- und Google-Expertise berät sie KMU und Einzelunternehmer bei ihren Webpräsenzen und schreibt Fachbeiträge. Die Literatur- und Medienwissenschaftlerin unterstützt mehrere Unternehmen mit Webtexten und im Corporate Publishing.

Hallo Kathrin, Du arbeitest nun schon einige Jahre als Autorin und Texterin. Wie kam es dazu, dass Du dabei zur Suchmaschinenoptimierung gefunden hast?

Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich verschiedene Akquise-Formen ausprobiert. Ich hatte schon eine Website und habe sie für meine Dienstleistungen umgeschrieben – nach SEO-Kriterien. Title und description zu texten ähnelt dem Werbetexten – auch hier muss das Relevante an erster Stelle stehen und ein griffiger Slogan zum Klicken anregen. Die Basics dafür habe ich in SEO-Seminaren an der Akademie der bayerischen Presse gelernt, u.a. bei Eric Kubitz. Akquirieren muss ich nicht mehr – alle Aufträge kommen über meine Website kathrin-schubert.de und Empfehlungen. Ich finde das Thema Suchmaschinenoptimierung weiterhin spannend, weil es sich täglich ändert und man immer am Ball bleiben muss.

 

Was machst Du neben Deinem Beruf als Autorin und Texterin?

Komplettes Kontrastprogramm: Theater-Abo, München erleben, Reisen ans Meer. Da kann ich komplett abschalten und komme auf neue Ideen. Natürlich faszinieren mich als Literatur- und Medienwissenschaftlerin auch privat gute Bücher und Filme. Nach meiner Ausbildung zur Verlagslektorin habe ich als freie Autorin Bildbiografien für einen großen Publikumsverlag geschrieben. Es sind Printpublikationen, die in meinem Schrank stehen – unabhängig von Rankingfaktoren. Wunderbar „old school“ und beständig. Das Hobby zum Beruf machen? Hat funktioniert!

 

In Deinem Blog seotexterin-muenchen.de schreibst Du viel über Content Marketing. Kannst Du unseren Lesern verraten, wie eine Content Marketing Strategie entwickelt wird? Wie fängt man am besten an?

Ein effizientes Content Marketing erfordert eine exakte Planung und das richtige Timing. Unternehmer, die zu eigenen und Branchenthemen schreiben, können sich einen Fundus an Artikeln anlegen und in regelmäßigen Zeitabständen posten. Für kleine Blogs oder E-Zines, die ausschließlich über brandneue Themen schreiben, ist die Planung manchmal schwierig. Als Early Bird müssen Redakteure neue Trends aufschnappen und Kollegen anderer Medien zuvorkommen. Deshalb ist es immer gut, zeitlose Themen als Joker im Redaktionsplan zu parken – auch für das „Sommerloch“.

Das Wichtigste ist ein Redaktionsplan. Das kann eine einfache Tabelle sein oder eine spezielle Software – Hauptsache man überblickt Themen und pflegt regelmäßig Artikel ein. Und zwar mit aussagekräftigem Titel, der auch als Domain Leser anspricht sowie mit Title- und Description-Tag für die Beitragsseite. In vielen Content Management Systemen wie z.B. WordPress lassen sich die Artikel gut vorbereiten und optimieren. So fallen Wiederholungen bei den Themen sofort ins Auge und veraltete Artikel können bei Bedarf aktualisiert werden. Für ein Autorenteam bietet sich ein Redaktionssystem an, z.B. Trello. Um auch die Frequenz der Postings in Social Media Channels zu überblicken gibt es z.B. Hootsuite.

 

Viele denken, dass ein suchmaschinenoptimierter Text nur viele relevante Keywords benötigt. Aber woraus sollte sich ein perfekter SEO-Text nun wirklich zusammensetzen?

„Content is king“ ist ja immer ein umstrittener Slogan unter SEOs – wie wichtig ist der Inhalt einer Seite wirklich für das Ranking? Meines Erachtens ist diese Frage überflüssig. Eine Seite ohne gute Inhalte online zu stellen, ist vertane Zeit für den Betreiber und dem User geraubte Zeit. Es müsste also heißen: „Reader is king!“ In kurzen Produkt- und Kategorientexten lässt sich die häufige Wiederholung von Keywords kaum vermeiden, sie ist sogar gewollt. Aber redaktionelle Texte erfordern mehr Raffinesse. Ich fahre bei meinen Kunden gut damit, mehrere Keyword-Kombinationen sinnvoll und gut portioniert in den Text einzuflechten.

Dank Künstlicher Intelligenz bestimmt ja sowieso zunehmend das Kriterium Semantische Suche über die Top Rankings. [https://de.ryte.com/magazine/semantic-seo-guide] Google oder Bing erfassen dabei die inhaltliche Bedeutung des gesamten Textes, anstatt nach einzelnstehenden Keywords zu suchen. Wichtig sind also Long Tail Keywords mit mehreren Varianten – und wer etwas von seinem Thema versteht, erwähnt diese automatisch im Inhalt. Der Text steht außerdem nicht allein, sondern sollte immer im Gesamtkontext gesehen werden. Die wichtigsten Suchbegriffe und themenrelevanten Attribute müssen in Überschriften (h1, h2 etc.) ebenso vorkommen wie in den Dateinamen und Title Tags der eingebundenen Bilder oder Videos.

 

Ein Thema in Deinem Blog war Voice Search. Wie wichtig ist dieses Thema für SEO und denkst Du, dass es an Bedeutung gewinnen wird?

Ich halte es für wichtig, vorbereitet zu sein auf die Sprachsuche. Dafür sollte auf der Seite dialogorientierter Text zugänglich sein. Außerdem müssen strukturierte Daten hinterlegt werden, darunter die neue Property „speaking content“. Nutzer stellen an digitale Sprachassistenten ganze Fragen und erwarten komplette, aber leicht verständliche Antworten. Man sollte sich also typische Kundenfragen überlegen. Wie würde ein persönliches Kundengespräch ablaufen? Was könnte der Kunde wollen? Was würde er fragen? Darauf muss der Seitenbetreiber in Schriftwort Antworten geben, die ihm digitale Sprachassistenten wiederum vorlesen. Für mich klingt das etwas absurd, denn es wäre schneller und einfacher, anzurufen.

Vom Erfolg der Voice Search in allen Bereichen bin ich nicht überzeugt. Komplexe Fragen werden sicher weiterhin telefonisch oder per E-Mail geklärt. Aber Dienstleister sollten ihr Google My Business Profil immer aktuell halten und möglichst gute Bewertungen erhalten. Wenn ich in München im Wagen sitze und den Sprachassistenten frage „Wo ist die nächste Tankstelle?“, führt mich Google bei eingeschalteter Standort-Bestimmung meist zur nächst gelegenen. Schlecht, wenn die dann geschlossen ist, obwohl das Profil „geöffnet“ anzeigt.

 

Hast Du abschließend einen letzten Tipp für unsere Leser bezüglich Content Marketing, den Du ihnen noch mitgeben möchtest?

Wer nachhaltig auf guten organischen Plätzen bleibt, entscheidet vor allem das Google Team mit immer intelligenteren Algorithmen. Schreib für den Leser, nicht für Crawler. Zeig deine Expertise an prominenten Plätzen auf der Webseite und kommuniziere mit potenziellen Neukunden auf anderen Channels.

Und wenn dein „Lieblingskonkurrent“ dir immer wieder eine Top-Position streitig macht? Du kannst das Rad nicht neu erfinden, also finde heraus, woher der größere Erfolg bei ähnlichem Angebot kommt. Sieh den Run um die besten Plätze wie ein sportliches Wettrennen. Wer hat die besseren Laufschuhe, die ausgefeiltere Technik, den längeren Atem, begeisterte Fans, renommierte Sponsoren, den größten Ehrgeiz? So wie Sportler einen schlechten Tag haben können, kann auch eine Unterseite mal an Traffic verlieren. Das muss nicht an schlechtem Content Marketing liegen.

Was langfristig zählt, ist das große Ganze: Bist du zufrieden mit deinem „digitalen Werk“? Storytelling, gute Geschichten, aktuelle Informationen – aus Texterinnen-Sicht sind das natürlich die wichtigsten Kriterien. Beim Content Marketing immer darauf achten, ob wirklich alles auf der Seite relevant ist. Und immer wieder selbstkritisch überprüfen: Gibt es inhaltliche Lücken und dünnen Content? Etwa doppelte Inhalte? Langweilige „Bleiwüsten“ ohne Struktur? Optimiere alle Seiten so, dass du die Texte auch selbst gerne liest und zu hundert Prozent hinter den Aussagen stehst.

 

Vielen herzlichen Dank für das Interview und alles Gute!

Hinterlasse eine Antwort