Semantische Suche mit Wolfram Alpha

Vor zehn Jahren ging die semantische Suchmaschine Wolfram Alpha an den Start. Sie wurde damals von der Presse als „Google-Killer“ prognostiziert, was die Entwickler aber gar nicht vorhatten. Heute ist es scheinbar stiller geworden um die Suchmaschine, die ein Team rund um den Mathematiker Stephen Wolfram entwickelt hat. Aber der Schein trügt, denn im Hintergrund ist viel passiert. Apple nutzt die Basis von Wolfram Alpha schon länger für seinen Sprachassistenten Siri und neuerdings greift auch Amazons Alexa darauf zurück. Zeit also, mal wieder einen Blick auf die semantische Suchmaschine zu werfen.

Wolfram Alpha wurde eingeführt, um eine Lücke bei der Suche im Internet zu schließen: die Beantwortung konkreter Fragen. Das Hauptziel ist die Verarbeitung von Fakten zu Ergebnissen. Die Datenbasis ist von hoher Qualität, denn die Quellen werden vom Anbieter Wolfram Research ausgewählt und sowohl automatisch als auch manuell überprüft. Sogenannte Datenkuratoren auf der ganzen Welt liefern geprüfte Daten zu einem bestimmten Thema.

Die Eingabesprache für Suchanfragen ist Englisch und seit neuestem auch Japanisch. Diese müssen bestimmten Regeln – der Semantik – folgen, damit sie von der Suchmaschine richtig interpretiert werden können. Das Ergebnis ist eine einzige konkrete, semantische Antwort: Es erscheint also keine klassische Liste an Suchergebnissen. Im Gegensatz zu den üblichen Suchmaschinen ist die Antwort außerdem nicht hinter mehreren Links versteckt, sondern direkt auf der Seite zu finden. Manche Suchanfragen, beispielsweise im astronomischen Bereich, werden zur Veranschaulichung sogar mit eigens für die Suchanfrage berechneten Grafiken angereichert.

Konkrete Antworten auf konkrete Fragen

Das heißt, dass Wolfram Alpha nur Suchanfragen beantworten kann, auf die es eine konkrete Antwort gibt. Eine Suche nach “barbers cologne” (zu Deutsch „Friseure Köln“) zeigt nicht etwa eine Auswahl von Friseuren in Köln an, wie man es von Google Maps kennt. Stattdessen interpretiert die Suchmaschine die Suchanfrage wie folgt: „hairdressers, hairstylists and cosmetologists“ + „people employed“. Sie sucht also nach der Anzahl von Angestellten im Friseurgewerbe.

Andere, konkretere Fragen, liefern jedoch ein konkretes Ergebnis: „How old is Angela Merkel?“ („Wie alt ist Angela Merkel?“) wird auf den Tag genau ausgegeben. Interpretiert wird die Anfrage so: „age“ + „of Angela Merkel“ + „today“. Die Suchmaschine nutzt sozusagen verschiedene Bausteine, aus deren Zusammensetzung sie ein Ergebnis berechnet. Neben der konkreten Antwort wird auch die Datenbasis angezeigt: Hier das Geburtsdatum von Angela Merkel. Zusätzlich dazu sind im unteren Bereich die Quellen angegeben.

Wem nützt diese Form der Suche? Wolfram Alpha funktioniert wie ein interaktives Lexikon, in dem das Ergebnis nicht selbst gesucht werden muss. Darüber hinaus kann die Suchmaschine die Antworten auf mehrere Fragen miteinander kombinieren. Es können komplexe Problemstellungen wie zum Beispiel Rechenaufgaben gelöst werden. Zusätzlich zum Ergebnis wird dem Nutzer der Rechenweg präsentiert. Die Suchmaschine ist also für jeden hilfreich, der eine konkrete Antwort auf eine Frage braucht oder der Fakten nachschlagen möchte. Auch bei Schülern und Studenten ist die Suchmaschine aufgrund der Schritt-für-Schritt-Lösung beliebt.

Ein paar mögliche Suchanfragen zur Veranschaulichung

Infos zum Bundesland NRW:
https://www.wolframalpha.com/input/?i=state+nrw
Die aktuelle Position der Raumstation ISS:
https://www.wolframalpha.com/input/?i=iss+position
Die Wettervorhersage für Köln:
https://www.wolframalpha.com/input/?i=weather+cologne
Wo liegt die Zugspitze?
https://www.wolframalpha.com/input/?i=Zugspitze
Die Entfernung von Frankfurt und New York City:
https://www.wolframalpha.com/input/?i=distance+frankfurt+new+york+city
Alle Primzahlen unter 1 Mio. auflisten:
https://www.wolframalpha.com/input/?i=prime+numbers+less+than+1000000

Fazit

Ein großer Vorteil von Wolfram Alpha ist, dass die Suchmaschine Antworten auf Basis geprüften Wissens generiert. Grob gesagt scheiden hier unrichtige Antworten oder solche mit viel Halbwissen aus, so wie man sie häufig in Diskussionsforen und sozialen Netzwerken findet. Auch muss der Nutzer die Ergebnisse nicht selbst durchsuchen, sondern findet die Antwort auf einem Blick. Allerdings werden diese bislang nur auf Englisch und Japanisch geliefert. Wer der englischen Sprache mächtig ist, und sei es nur halbwegs, sollte hier keine Schwierigkeiten haben. Wenn man erst das Potential und den Funktionsumfang erlebt hat, kann man mitunter Stunden mit dieser Suchmaschine verbringen.

Rückblickend gesehen hat Wolfram Alpha die gängigen Suchmaschinen nicht abgelöst, das war auch nicht vorgesehen. Aber es füllt seitdem eine wichtige Lücke. Und genau diese könnte zur Hintertür werden, denn gerade im Bereich digitaler Assistenten und der immer wichtiger werdenden Sprachsuche erfüllt die Suchmaschine eine nicht zu unterschätzende Rolle. Im Bereich der semantischen Suche, insbesondere auf dem lexikalischen und wissenschaftlichen Gebiet, liegt Wolfram Alpha weit vor Google.

Wer es selbst ausprobieren möchte, kann es hier tun:
https://www.wolframalpha.com/

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