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Dieses Thema wird vielen erfahrenen SEOs wahrscheinlich schon zum Halse heraushängen. Zum einen, weil es immer wieder passiert. Und zum anderen, weil man kaum etwas nachhaltiges dagegen tun kann. Denn es gibt zahlreiche SEO Agenturen im In- und Ausland, die sich selbst als Google Partner bewerben und damit ihre Dienste im Bereich Suchmaschinenoptimierung auf unlautere Weise darstellen. Ein Ärgernis für alle, die sich an die Richtlinien von Google und Co. halten.

Doch wir möchten trotzdem einmal ausführlicher darüber berichten. Denn wir richten uns nicht nur an SEOs, sondern möchten auch den Menschen Hilfestellungen geben, die nach einer passenden Agentur für sich und ihr Unternehmen suchen. Und die Agenturen, die ihre SEO-Dienstleistungen mit einem Google Partner Logo bewerben, arbeiten unter Vorspielung falscher Tatsachen. Denn es gab nie ein SEO Zertifikat von Google und es wird auch nie eines geben.

Warum gibt es kein SEO Zertifikat?

Laut Gary Illyes, Webmaster Trends Analyst in Zürich und ein internationales Sprachrohr von Google, wurde die Idee eines SEO Zertifikats intern mehrfach diskutiert, aber im Endeffekt immer verworfen. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Das Hauptargument ist, dass Google kein Geld von Webmastern akzeptieren möchte, wenn es um das Vorankommen in der organischen Suche geht. Denn hier soll allein die Qualität der Website entscheidend sein.

Außerdem wäre es nahezu unmöglich, ein sinnvolles Training für SEOs anzubieten. Denn dieser Bereich eignet sich nicht zur Skalierung, während die organische Suche aber auf erfolgreiche Skalierung ausgelegt ist. Und schlussendlich ist es auch nicht leicht, vergleichbare Kriterien zu entwerfen, nach denen SEOs regelmäßig getestet werden könnten. Google wird also aller Voraussicht nach nie ein entsprechendes SEO Zertifikat herausgeben.

Was gibt es für Google Zertifikate?

Auf anderen Gebieten gibt Google hingegen verschiedene Zertifikate aus. Hierbei handelt es sich jedoch um Bereiche, die nach klaren Kennzahlen mess- und nachvollziehbar sind. Eine unabhängige Zertifizierung wird dadurch erleichtert. Zertifizierungen kann man beispielsweise erreichen, wenn man einen geübten Umgang mit Google Analytics nachweisen kann. Ähnliches gilt für das AdSense Programm und auch einige andere Felder.

Am bekanntesten ist das Google AdWords Zertifikat: Google Partner. Dieses wird ausgestellt, wenn Freelancer oder Agenturmitarbeiter eine AdWords-Schulung durchführen und am Ende einen Test bestehen. Sie dürfen sich dann für eine begrenzte Zeit als Google Partner bezeichnen und müssen den Test nach Ablauf des Zertifikats erneut bestehen. Wichtig ist: Das Google Partner Logo bezieht sich nur auf AdWords, also auf die Arbeit mit bezahlten Werbeanzeigen.

Google Partner
Das Google Partnerlogo muss zum Google Partner Eintrag führen, wie in unserem Beispiel zu uns.
Das ist das Alte Logo
das ist das Alte Logo

Was schwarze Schafe tun?

Eine bekannte Methode des “Betrugs” am Kunden ist die fälschliche Nutzung des Google Partner Logo oder der Hinweis auf eine Google Zertifizierung. Dieses darf, wie gesagt, nur im Zusammenhang mit AdWords Dienstleistungen verwendet werden. Viele Agenturen setzen jedoch darauf, dass der Endkunde die Bedeutung des Logos nicht kennt – und suggerieren, dass sie einen direkten Draht zu Google haben und daher eine bessere Optimierung vornehmen können. Dies kann leicht als unlauterer Wettbewerb gesehen werden.

Ein mögliches Beispiel für dieses Vorgehen seht ihr auf dem unten stehenden Bild (Vielen Dank an Olaf der es uns erlaubt hier offen zu posten). Die Aussage, dass hier SEO von einem zertifizierten Google Partner angeboten wird, ist klar als Irreführung von potentiellen Kunden angelegt. Denn dem Betrachter wird ein Status vorgegaukelt, den es so gar nicht gibt.
Damit soll Vertrauen in einen Anbieter geschaffen werden, der sich schon beim ersten Schritt – der Kundenansprache – in einen Widerspruch verstrickt wenn man Ihn darauf anspricht. Hier wird also die Dienstleistung SEO mit der Google Partnerschaft Google AdWords beworben.

google partner
Wir haben den Namen geschwärzt. Wer wissen will, um wen es sich handelt (und was andere Experten sagen) der Klicke auf den oben stehenden Link.

Weitere Tricks von unseriösen Agenturen:

Neben dieser Taktik wird auch durch glatte Lügen versucht, neue Kunden zu gewinnen. Besonders beliebt ist die Methode, fälschlich eine Nähe einer Agentur zu Google zu konstruieren. Hierbei wird meist gesagt, man kenne jemanden bei Google und könne daher tolle Ergebnisse erzielen. Dies wird nicht stimmen. Und merkt euch dabei immer: Selbst wenn jemand jemanden bei Google kennt, führt das nicht zu guten Rankings. Denn Google hat Algorithmen, die sich nichts vom Kumpel eures SEOs diktieren lassen.

Oft werden Kaltakquise Anrufe oder Akquisemails auch mit einem Anhang untermauert. Hier wird ein für den potentiellen Kunden negativer Sichtbarkeitsindex zugeschickt mit der Aussage, dass man sich doch um eine Verbesserung des Zustandes kümmern sollte. Oft sind diese Daten jedoch veraltet – das Datum wurde dabei geschickt ausgeschnitten oder unkenntlich gemacht. Beim unbedarften Kunden führt es jedoch oft wie gewünscht zu Panik.

Was ist die Realität hinter den Lügen?

Es gibt keine SEO Agenturen, die einen so tollen Draht zu Google haben, dass man ihnen helfen würde. Google beschränkt sich immer darauf, Hilfestellungen zu geben. Und dies geschieht in der Regel öffentlich. Spannende Informationen werden von Szene-Experten wie Barry Schwartz oder Jennifer Slegg öffentlichkeitswirksam geteilt, oder Google Offizielle wie Gary Illyes und John Mueller beantworten Fragen bei Twitter, Google+ und in den Webmaster-Hilfeforen.

Und John steht zudem immer in den Webmaster Hangouts Rede und Antwort, um bei Problemen zu helfen. Darüber hinaus hilft Google nicht dabei, das organische Ranking zu verbessern. Rechtschaffene Agenturen arbeiten also nicht mit den oben beschriebenen Methoden. Zudem sehen sie davon ab, genaue Rankings zu versprechen. Denn wer dies tut, kann gar nicht mit seriösen Methoden arbeiten. Dies sollte eine Agentur aber tun, denn ansonsten kann es nachhaltige Folgen für den Kunden haben.

Denn wer mit unlauteren Methoden die Rankings manipuliert, der wird herabgestuft oder gar aus dem Index entfernt. Und ist eine Seite einmal abgestraft, kann es sehr schwer werden, sich aus dieser Abstrafung wieder zu befreien. Eine Agentur, die schon beim ersten Kundenkontakt eine der oben genannten Praktiken nutzt, wird über kurz oder lang keine gute Wahl sein. Man sollte daher bei der Wahl der Agentur die gebotene Vorsicht und Sorgfalt walten lassen.

Wie kann man sich schützen?

Das Wichtigste ist: Man darf sich nicht blenden lassen. Nur weil jemand ein schönes Zertifikat vorzeigt und sofortigen Erfolg verspricht, ist er noch kein vertrauenswürdiger Anbieter – oft ist sogar eher das Gegenteil der Fall. Allgemein sollten die oben beschriebenen Taktiken eher ein rotes Tuch sein, das sofort zum Ausschluss der entsprechenden Agentur aus dem Vergabeprozess führt. Doch es gibt noch einige andere Möglichkeiten, um sich zu informieren.

So sollte man eine Agentur immer zuerst googlen. Kommen in der Auto-Suggest Funktion direkt Wörter wie “seriös” oder “schlecht” vor, so ist dies ein Warnzeichen und eine genauere Recherche sollte sich anschließen. Auch eine Mitgliedschaft in Verbänden wie dem BVDW ist kein Zeichen für Seriosität, da hier jeder dabei sein darf, der seine Mitgliedsbeiträge pünktlich entrichtet. Wer die verbandseigene Selbstverpflichtung zur Einhaltung der Richtlinien nicht unterschreibt, kann vom Verband nicht belangt werden. Die Agentur aus dem FB Post oben ist im übrigen auch beim BVDW, hat die Selbstverpflichtung aber nicht unterschrieben.

Vertragslaufzeiten sind auch ein Anhaltspunkt. zwar haben auch seriös arbeitende Agenturen längere Vertragslaufzeiten, bei den schwarzen Schafen sind diese aber besonders beliebt. Mit kurzen Vertragslaufzeiten bleibt das Wagnis daher überschaubarer.

Bei der Agenturwahl hilft es daher, sich nicht von möglichen kurzfristigen Erfolgen blenden zu lassen. Um sich vorab zu informieren, sollte man zudem den wichtigsten Influencern folgen und aus deren Insights etwas lernen beziehungsweise ihnen Fragen stellen.

Fazit

Schwarze Schafe gibt es in jeder Branche – dies werden wir nicht unterbinden können. Aber gerade in einer Szene wie dem Online Marketing sollte immer wieder darauf hingewiesen werden, wenn einzelne dem Ansehen einer ganzen Profession schaden. Ein besonderer Dank geht daher auch an Olaf, der mit seinem Post eine Agentur öffentlich benannt hat und damit das handeln aus der Dunkelheit geholt hat.

Kennt ihr noch andere unseriöse Taktiken, die wir hier vergessen habe? Dann teilt sie uns in den Kommentaren oder den Netzwerken mit und wir werden den Post immer wieder ergänzen. Denn wir wollen, dass Kunden eine faire SEO-Betreuung erhalten können.

Weitere Quellen von ähnlichen Sachverhalten:

DieWebAG: Kaltaquise, Abzocke oder nur ein Irrtum?

SEO Agenturen – Abzocke vermeiden

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Die Suchmaschinenoptimierung und das Online-Marketing sind meine Leidenschaft. Als akkreditierter Journalist und Chefredakteur des SEO Portal schreibe ich darüber und als Geschäftsführer der imwebsein GmbH (Online Marketing Agentur) kann ich diese Leidenschaft in der Praxis umsetzen.

6 KOMMENTARE

      • Natürlich ist das vergleichbar. Ihr kritisiert (zurecht) diese Agenturen und schreibt , dass ihr wollt, dass Kunden eine faire SEO Betreuung erhalten können. Und veröffentlicht solche Tipps:

        “Such Dir ein News Thema aus den Staaten (zum Beispiel “Kim Kardeshian” und kopiere jeden Artikel aus dem englischen ins Deutsche (Google Translator reicht).

        Verschleier natürlich Deine Person. Hau die deutschen Texte auf eine deutsche Domain und melde die Seite irgendwann mal in Google News an.

        Habe zum Thema “Kim Kardeshian” für über 2 Monate mindestens 25.000 UVs/Tag. Was ihr aus dem Traffic macht, bleibt euch überlassen. Tipp:)

        Das ist eine Anleitung zur Urheberrechtsverletzung. Und wenn ihr sagt “ihr habt irgendwas nicht veröffentlicht” ist das auch nur die halbe Wahrheit, ihr habt es ja trotzdem verlinkt.

        • Hallo SPL,

          viele der Tipps kann man auch zum Guten nutzen und nicht nur spammy oder black hat. Aber ja du hast Recht, dein Beispiel ist klar ein Rechtsverstoß in meinen Augen und daher habe ich ihn entfernt. Auch habe ich die Verlinkungen zu den Insights rausgenommen die wir nicht übernommen haben.

  1. Stimmt do nicht ganz. Die Prüfung ist nur 1 von 3 Kriterien um Google partner zu werden. Die Zertifizierung alleine ist hier wertlos.

  2. Das Problem ist, dass man die offensichtlichen Verstöße über das Partner-Formular dazu melden kann, aber nichts passiert. Gar nichts. Also ist es das Formular nicht wert. Sehr ärgerlich und irgendwie lächerlich zugleich. Das gleiche gilt übrigens für selbstgebastelte Siegel zu Analytics oder qualified individual.

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