Warum Fake Testseiten schon bald ausgedient haben könnten

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Schockiert, weil Du eine Seite mit Testberichten betreibst? Brauchst Du nicht sein, denn ich will hier bestimmt niemanden anprangern. Mir geht es nur um einen Abriss zu diesem scheinbar doch sehr polarisierenden Thema. Die einen sind davon überzeugt, dass Testseiten die ultimativen Provisionsbringer sind, andere sträuben sich gegen schlecht programmierte Websites mit billigen Templates und dünnem Inhalt.

Warum die Testseiten immer beliebter werden

Testseiten zu beliebigen Produkten sind derzeit sehr beliebt. Vor allem Neueinsteiger in Affiliate Marketing unterliegen dem Irrtum, dass man lediglich eine $$$-test.de Domain benötigt und sofort beginnen kann, damit Geld zu verdienen. Leider ist dies absolut nicht der Fall und rein rechtlich bewegt man sich in einer Grauzone, wenn die Produkte nicht tatsächlich auch nachweislich getestet wurden.

Gerade mit den echten Testberichten lässt sich jedoch eine Menge Geld verdienen, wie man am Beispiel der Stiftung Warentest sieht. Hier werden Produkte von allen Seiten beleuchtet und unter unzähligen Gesichtspunkten bewertet, bis schließlich ein Gesamtergebnis feststeht. Der Verdienst liegt hier jedoch nicht in einer Affiliate Provision, sondern im Verkauf von ausführlichen Testberichten, Ratgebern und Fachbüchern, sowie im Aboverkauf zum Test Magazin.

Das Problem bei der Sache: Wenn jemand etwas empfiehlt und für den Verkauf eines Produktes Geld bekommt, sieht es sehr schnell danach aus, als würde einer Bewertung bewusst auf die Sprünge geholfen. Jeder Affiliate empfiehlt letztendlich ein Produkt. Was also tun?

Schnelles Geld durch das Amazon Partnerprogramm?

Googelt man ein Produkt in Kombination mit den Begriffen Test, Testsieger, Testbericht etc., landet man sehr schnell auf diversen Affiliate Seiten. Produkte werden auf der Startseite meistens schon in Tabellenform angezeigt und erhalten vom Betreiber der Seite ein Ranking. In den meisten Fällen handelt es sich hierbei um Daten, die per Plugin oder API aus Amazon ausgelesen wurden. Weder hat sich hier der “Redakteur” die Mühe gemacht, die Daten von Hand zu erfassen, noch hat er mit hoher Wahrscheinlichkeit das Produkt jemals in der Hand gehabt.

Natürlich unterstelle ich nicht allen Testseiten, dass die Testberichte gefaked sind, aber der Prozentsatz ist schon sehr hoch. Das führt langfristig dazu, dass die Suchergebnisse den Nutzern von Google nicht mehr das liefern, was sie eigentlich sehen wollen. Und das führt wiederum dazu, dass Google früher oder später mit diesem “Problem” umgehen muss.

In den Webmaster Hangouts tauchen immer mal wieder Fragen auf, die dieses Thema behandeln. Dort beschweren sich Webmaster beispielsweise darüber, dass dünne Affiliate Vergleichsseiten deutlich bessere Seiten zu diesem Thema in den Suchergebnissen überholen. Die Antwort ist häufig dieselbe: “Wir arbeiten daran. Wir beachten viele Dinge. Wir haben das auf dem Schirm.” Wie lange werden solche Affiliate Seiten also noch relativ schnell relativ gut gefunden?

Fake oder echt? So erkennt man gepimpte Testberichte

Wenn ich nach einem Testbericht zu einem Produkt suche, dann meide ich hauptsächlich Seiten, die folgende Kriterien einzeln oder im Ganzen erfüllen:

  • Das Produkt auf Platz 1 ist gleichzeitig das teuerste seiner Art
  • Es gibt zu den beliebtesten Suchtermen (Produkt +Test) jeweils eine Unterseite und dort ist das gesuchte Produkt grundsätzlich der Testsieger
  • Es gibt keine Fotos, auf denen man einen echten Menschen mit dem Produkt sieht
  • Es werden nur Fotos des Herstellers verwendet
  • Die Testberichte widersprechen sich untereinander
  • Die Qualität des Contents ist insgesamt schlecht und wirkt maschinell erstellt
  • Der “Redakteur” zeigt sich mit Bild und “Namen”. Das Bild wird jedoch auf unzähligen anderen Seiten mit anderen Namen verwendet

Quality rules – Das gilt auch bei Testseiten

Bei den meisten Produkten ist es durchaus möglich, Testartikel vom Hersteller zu bekommen. Natürlich muss man in diesem Fall selbst zuerst die Qualitätsmarke hoch anlegen, bevor man aktiv auf einen Shop oder einen Hersteller zugeht. Glaubt Ihr, dass ein Hersteller für Kinoheimanlagen etc. eine 200 Euro teure Box zum Testen bereitstellt, wenn der Artikel auf einer 5-Seiten-im-Index-Affiliate Seite platziert werden soll? Ich nicht!

testberichte-kaffeemaschinen
Alle sind fleißig. Es wird getestet in Deutschland

Vielleicht sollten sich die Betreiber solcher Seiten langfristig Gedanken darüber machen, ob die Nachhaltigkeit bei solchen “Projekten” gegeben ist und ob es nicht besser ist, sich auf echte Projekte zu konzentrieren. Früher oder später kommt sowieso die große Rankingkeule. Unabhängig davon ist es schade, dass viele Menschen sich auf die Empfehlung verlassen und später unzufrieden mit einem schlechten Produkt hantieren müssen.

  1. Ein Testbericht kann so aussehen: http://www.e-zigarette-tipps.de/ud-zephyrus-sub-ohm-verdampfer-test-und-review/
  2. Er kann aber auch so aussehen: http://baby-test.org/baby-schlafsack-test/

Wo bei welchem Testbericht wirklich etwas getestet wurde, entscheidet nun jeder selbst. Es gibt übrigens einige interessante Seiten zu dem Thema. Daniel Brückner betreibt beispielsweise die Toptestsieger. Dort findet Ihr reichlich Infos zu Abofallen, Fakeseiten und vielem mehr. Hängt Euch doch einfach mal auf Facebook an ihn ran, so bleibt Ihr garantiert auf dem Laufenden, was Fakes im Internet angeht. Er nimmt nämlich kein Blatt vor den Mund, wofür ihn sicherlich einige schräg ansehen.

Warum ich diesen Artikel schreibe

Ich bin der Meinung, dass das Internet von Qualität leben muss. Google hat lange versucht, die Spamseiten aus dem Index zu vertreiben und irgendwie hab ich das Gefühl, dass hier noch relativ viel Nachholbedarf ist. Die SERPs sehen in vielen Bereichen schon sehr gut aus, in anderen jedoch umso schlimmer und es empfiehlt sich, mehr oder weniger scherzhaft, der Einstieg in Seite 3 der Suchergebnisse.

Wie ich Seiten besser machen würde

Natürlich ist es schwierig, die Keywords Test, Testbericht usw. abzugreifen, ohne den Anschein zu erwecken, ein Produkt tatsächlich getestet zu haben. Es gibt jedoch immer Mittel und Wege, wie man Keys in einem Text verbaut und trotzdem fair bleibt.

Produkte können auch schlicht und einfach nur beschrieben werden. Ich würde die Fähigkeiten, Features, Neuigkeiten usw. herausstellen. Ich würde beschreiben, wer in welcher Situation wohl am besten zu Produkt XY greift. Wie wäre es mit einem Vergleich zweier Produkte? Oft ist es ja so, dass die Kunden bei Amazon sich nicht zwischen zwei oder drei verschiedenen Artikeln entscheiden können. Hier bietet es sich an, die offensichtlich (auch ohne direkten Kontakt) erkennbaren Features herauszustellen, damit der Leser besser vergleichen kann.

Die Kaufrate ist vielleicht nicht ganz so hoch, als würde der Leser glauben, er kaufe einen “Testsieger”. Dafür kauft er höchstwahrscheinlich aber das Produkt, welches am besten zu ihm passt. Und das empfiehlt er weiter. Und er gibt ein Like. Und der teilt Euren Artikel eventuell. Und… und… und…

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Oliver Wrase hilft für einige Tage beim SEO-Portal aus. Er ist der Inhaber von Textranking. Dort schmiedet er mit seinem Team heiße Contentpläne und arbeitet an Kundenprojekten, sowie eigenen Webseiten.

11 KOMMENTARE

  1. Mir fällt auf, dass viele Fake-Tester schon garnicht mehr auf die organischen Suchergebnisse setzen sondern AdWords nutzen, um Besucher zu erhalten. Ich kann mir garnicht vorstellen, dass das funktioniert, aber vielemachen das schon seit Monaten so.

  2. Ich frage mich oft warum Amazon hier nicht mal was unternimmt. Schließlich leidet der Ruf von Amazon genauso darunter wie die Google Serps.

  3. Hallo Oliver,

    danke für deinen Artikel. Nach der Überschrift hatte ich zwar etwas anderes erwartet, aber trotzdem gut 😉 Also mein Senf dazu: an der NSC die Peer Wandiger dieses Jahr organisiert hat, unterstreichen die meisten Projekte genau deine Denkweise. Aber es gab auch viele Projekte die echt gut geworden sind. Top Design, gute Inhalte und persönlicher Bezug. Auf lange Sicht werden dünne Seiten irgendwann die Plätze weichen müssen. Das ist wohl wahr. Mein kleiner Tipp an dieser Stelle: branddomains. Ich bin davon immer mehr begeistert, obwohl es natürlich auch Nachteile hat.

  4. Ich sehe das Problem hauptsächlich in Deinem Vorschlag zwei oder drei Produkte zu vergleichen. Ich habe bereits einiges an Erfahrungen mit Testberichten sammeln können und da meine Testberichte offensichtlich nicht so schlecht sind, ist es auch gar nicht so schwer einzelne Testgeräte zu bekommen. Und das, obwohl ich immer ehrlich bewerte und mich auch nicht vom Wert des Testgerätes beeinflussen lasse.
    Nur werben solche Fake-Seiten mit einem “Vergleich” mehrerer Geräte, was bei einem Kaufwilligen immer mehr Interesse weckt, als ein einzelnes getestetes Gerät. Ich teste ehrlich und wenn ich nur ein Testgerät habe, behaupte ich nicht, dass ich es vergleichen würde. Ich kann also gar nicht mit Suchbegriffen wie “Akkuschrauber Test Vergleich” mithalten.
    Die Hersteller erkennen sehr gut, wer ordentlich testet und glaubhafte Testberichte schreibt, nur hilft das bei Google leider nicht weiter.

    Mein Tipp für Blogger: Bezieht Testgeräte in echte Projekte ein. Zeigt einen Akkuschrauber nicht nur von allen Seiten, sondern baut damit Möbel auf oder bohrt mit einem Bohrhammer nicht nur ein Loch in Beton, sondern zeigt, wie Ihr anschließend das Bild aufhängt. Das unterscheidet uns von solchen Testseiten. Den Leser interessiert nicht, welche Zahl hinter der Schlagstärke des Bohrhammers steht, sondern ob er damit ein 10er Loch in eine Betonwand bekommt, um seine Küchenschränke aufzuhängen. Genau diese Informationen bieten solche Fake-Seiten nicht.

    Gruß Ricc

    PS: Ich hasse Fake-Test-Seiten die dann noch mit “Fachwissen” glänzen. Mein Platz eins war die Erklärung, dass die Schlagfunktion eines Akkuschraubers schnelleres Bohren in Holz und Metall ermöglicht.

  5. Es wird Zeit das da mal grundlegend entrümpelt wird.
    Die meisten sind einfach auf das Motto “schnell-und-hektisch-reich” getrimmt, da muss die Qualität ja leiden. Ein Teil des Problems sind auch die sogenannten “Internet-Visionäre”, die Ihre Videokurse und Ebooks scheinbar erfolgreich an die Leute verkaufen, die auch mal irgendwo gehört haben im Internet ist es kinderleicht Geld zu verdienen.

    Irgendwo in diesen Kursen muss auch vermittelt werden:
    Selbst wenn du einsiehst, die anderen haben Recht: Behaupte immer stets das Gegenteil! Bist du mit deiner Argmumentationskette am Ende, hol den vorgefertigen Neid-Post raus und verlass die Diskussion.

    Ich kann da die Haltung von Amazon auch nicht ganz verstehen, aber Geld stinkt ja nun mal nicht. Interessant wäre hier auch die Haltung der Hersteller: wie stehen die eigentlich dazu, eine Produktbewertung zu erhalten, die offensichtlich zusammengeklatscht wurde?

  6. Ist doch ganz einfach. Die Leute nehmen die Ergebnisse aus Amazon, da empfehlen sie automatisch das beste Produkt (wenn sie den Bestseller von Amazon auch bei ihrer Seite “gewinnen” lassen).
    Welche die hilfreichsten Bewertungen sind und was die Leute bei so einer Testseite interessiert – auch. Amazon liefert doch dafür die besten Tipps und genauso werden wahrscheinlich 95 % erstellt. Alles andere würde mich wundern.

  7. Grundsätzlich lässt sich sagen:
    – Viele der organisch gut-rankenden Testseiten sind gefaket um Provisionen zu kassieren (Affiliate).
    – Bewertungen im E-Commerce sind zu stark wachsender Zahl ebenfalls gefaket.
    – Meinungen der Hersteller selbst sind (natürlich) auch nicht objektiv.

    Es bedarf an der Stelle mal einem Prüfsiegel (ja, noch ein Siegel) einer unabhängigen Institution, wer sich “Tester” nennen darf und wer nicht. Das nach Erhalt (und ich wette 95% der jetzigen Test-Webseiten-Betreiber erhalten das Siegel nicht) in die Website eingebunden kann dann von Google als Signal gewertet werden, dass es sich um eine seröse, vertrauenswürdige Website handelt. Ein Beispiel. Es gibt da sicherlich mehrere. Alles im Sinne eine größeren Nutzerzufriedenheit im Internet. Und gegen den wachsenden Web-SPAM-Affiliate-Fake-Mist der schon lange nur noch nervt!

  8. Moin Oliver,

    ich stell mir immer die Oma-Frage bei meinen Seiten. Also, würde ich meine Seite meiner Oma empfehlen. Hab ich eine spammige Schrott-Seite die nur auf Geld und Rankings schielt, wohl eher nicht. Ist meine Seite gut recherchiert und im besten Fall die Produkte selbst getestet, na logo würde ich sie meiner Oma empfehlen.

    Ich bin mir übrigens ziemlich sicher, dass die ganzen Fake-Test-Seiten ziemlich bald ein gefundenes Fressen für Verbraucherschützer werden. Das dauert sicher nicht mehr lange.

    Cooler Artikel, auf jeden Fall.

    VG
    Alexander

  9. Wenn die 5-Seiten-im-Index-Affiliate Seite auf den ersten Suchergebnissen zu meinem Keyword ranked, warum sollte ich dieser Seite dann nicht ein kostenloses Produkt zur Verfügung stellen (als Hersteller) ? Webseiten können auch mit nur 5 Pages im Index einen guten Eindruck machen und den Sucher des jeweiligen Produkts zufriedenstellen.

  10. Hallo,

    also ich kann Tobias nur zustimmen. In meinem Metier bekommen auch viele der grottenschlechten Fake-Testseiten von Herstellern kostenlos Produkte z.Vfg. gestellt.
    Warum? Weil sie in den SERPS weit oben sind. Warum DAS so ist, bleibt mir ein Rätsel.

    Seit dieser – sorry – beschissenen NSC von Peer Wandiger ist es noch ein gutes Stück schlimmer geworden. Ich sehe vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr… immer dasselbe Theme.. imemr ein und dasselbe Bewertungs-Plugin.. immer die entsprechend KW’s in Title und URL. Nicht EIN Produkt wurde gestetet… und immer dieselben Herstellerbilder. Zum Weglaufen!

    Meine Testseite, in der unzählige Stunden und viel Arbeit und Leidenschaft steckt, hält sich zwar gut in den SERPS, ist aber den meisten Fakseiten derzeit unterlegen.
    Ich hoffe sehr, das ändert sich irgendwann.Die anderen guten Seiten in meinem Bereich sind übrigens noch schlechter dran als ich.

    Verbraucherschützer und ein Siegel.. 2 Ideen mit Potential. Ich bin dafür!

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