Facebook war lange Zeit ein beliebtes soziales Netzwerk. Und für Unternehmen eine begehrte Plattform, um mit Interessenten und Kunden in Kontakt zu treten. Zurzeit scheint sich das Blatt jedoch zu wenden.

Ist das nur mein subjektives Empfinden oder ist tatsächlich etwas dran? Leider sucht man nach offiziellen Erhebungen zu diesem Phänomen vergebens. Ich habe jedoch das Gefühl, dass Facebook von seinen Mitgliedern immer seltener aktiv genutzt wird.

Willkommen in der Filterblase

Ein Grund für diese Wahrnehmung könnte die sogenannte „Filterblase“ sein. Schaut man im Facebook-Newsfeed, was es Neues bei Freunden gibt, so bekommt man von einem Großteil von ihnen oft gar nichts mehr mit.

Liked man Beiträge von bestimmten Facebook-Freunden, werden einem von da an mehr Neuigkeiten von ihnen angezeigt. Diese Gewichtung scheint allerdings zu stark eingestellt zu sein. So stark, dass wenn ein bestimmter Schwellenwert überschritten ist, viele andere Freunde komplett durch das Raster fallen. So entgeht einem unter anderem, wenn Facebook-Freunde heiraten oder Nachwuchs bekommen.

Der Facebook-Algorithmus stärkt radikale Posts

Besonders störend an der Filterblase ist es, wenn einzelne Facebook-Freunde radikale Ansichten oder Verschwörungstheorien verbreiten. Nicht selten werden radikale Ansichten und Verschwörungstheorien dadurch verstärkt, indem Nutzer sie liken – denn daraufhin wird ihnen noch mehr davon gezeigt. Sie leben sozusagen in ihrer persönlichen Filterblase und werden immer stärker von den besagten Ansichten umgeben. Moderate Stimmen anderer Freunde gehen aufgrund der nachlassenden Gewichtung durch den Algorithmus währenddessen immer mehr unter.

Als Nutzer erscheint es befremdlich, wenn direkt neben dem „Radikalo-Beitrag“ eines Facebook-Freundes Werbung eines seriösen Unternehmens erscheint.

Facebook generiert einen beachtlichen Teil seines Umsatzes mit Werbung von Unternehmen. Noch scheint es zu laufen, doch wann wird dieses empfundene Befremden auf die Werbekunden übergreifen? Welches Unternehmen möchte sich direkt neben fragwürdigen Beiträgen voller extremer Ansichten und gefährlichem Halbwissen präsentiert sehen?

Messenger-Wirrwarr

In der letzten Zeit – das ist mein Empfinden – scheint die Aktivität vieler Facebook-Nutzer deutlich gesunken zu sein. Möglicherweise hängt das mit der neuerdings stärkeren Trennung der Nachrichtenfunktion vom eigentlichen sozialen Netzwerk zusammen.

So ist es seit einiger Zeit nicht mehr möglich, die Nachrichtenfunktion („Facebook Messenger“) auf mobilen Geräten (Smartphone, Tablet) zu nutzen. Ein praktisches Feature, das kürzlich – laut Facebook aus Gründen der EU-Gesetzgebung – stärker von dem eigentlichen sozialen Netzwerk getrennt wurde. Auf dem Desktop hat man nach wie vor Zugriff auf die Messenger-Funktion. Auf mobilen Geräten muss man hingegen die entsprechende App installieren, um Nachrichten weiterhin lesen und senden zu können.

Weil Nachrichten jetzt größtenteils außerhalb des eigentlichen sozialen Netzwerks gelesen werden, werfen die Nutzer offenbar seltener einen Blick auf die Aktivitäten ihrer Facebook-Freunde. Das weckt traurige Erinnerungen an MeinVZ und StudiVZ, die Anfang der 2010er-Jahre zu virtuellen Geisterstädten geworden sind.

Gleichzeitig hat der Facebook-Konzern vor einigen Jahren einen anderen Messenger-Dienst aufgekauft, der dem Facebook-Messenger nun konkurriert: WhatsApp.

„WhatsApp“ kämpft derzeit mit einem Nutzerschwund. Die geplante Einführung neuer Nutzungsbedingungen und eine stärkere Verzahnung mit Facebook schreckt offenbar viele Nutzer ab und lässt sie zu Mitbewerbern wie “Telegram” oder “Threema” abwandern.

Wie sieht die Zukunft von Facebook aus?

Wie die Zukunft von Facebook aussieht, lässt sich derzeit nicht seriös abschätzen. Man kann davon ausgehen, dass der Konzern ein Interesse daran haben wird, seine Nutzer und Werbekunden bei der Stange zu halten. Dazu ist allerdings ein Umdenken erforderlich.

Facebook sollte seinen Filter neu justieren und die sogenannte „Filterblase“ abschwächen. Daneben sollte der Konzern Ordnung in sein Messenger-Wirrwarr bringen. Die Ausgliederung der Facebook-Nachrichtenfunktion aus dem sozialen Netzwerk einerseits und die stärkere Verzahnung mit „WhatsApp“ andererseits lassen nach außen hin keine klare Linie erkennen.

Rund läuft es offenbar bei Instagram, dem anderen sozialen Netzwerk des Konzerns. Hier steht das Veröffentlichen von schönen bunten Bildern im Vordergrund. Nett anzusehen, aber auf die Dauer recht oberflächlich. Viele Menschen haben ein Bedürfnis danach, sich miteinander auszutauschen – auch in Gruppen. Dafür bieten soziale Netzwerke, wie Facebook, eigentlich eine gute Plattform. Der übereifrige Filter erstickt diesen Ansatz jedoch im Keim. Gleichzeitig vergiften Posts mit radikalen Ansichten und Verschwörungstheorien das Klima. Je eher an diesem Problem angesetzt wird, umso besser ist es – für die Nutzer und für die Werbekunden.

Bild: George Pagan / unsplash.com

1 KOMMENTAR

  1. Vielen Dank für den Beitrag! Sehr interessant. Es ist wirklich Wahnsinn, wie sich die Algorithmen immer wieder ändern. Liebe Grüße

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